Bundesweit zu wenig Schuldnerberatungsstellen

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Bundesweit zu wenig Schuldnerberatungsstellen

In Deutschland gibt es offenbar einen großen Mangel an Schuldnerberatungsstellen. Die Zahl der Menschen, die überschuldet sei, habe sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt, teilte die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG-SBV), die in München tagte, mit. Gleichwohl gebe es derzeit bundesweit lediglich knapp tausend gemeinnützige Schuldnerberatungsstellen, erklärte die Arbeitsgemeinschaft, zu der die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und der Verbraucherzentralen gehören.

In vielen Schuldnerberatungsstellen gebe es "monatelange Wartezeiten, verzweifelte Ratsuchende und völlig überlastete Beratungskräfte", betonte Michael Tauchert, Fachreferent für soziale Arbeit im Caritasverband der Erzdiözese München und Freising. Die Finanzierung der Schuldnerberatungsstellen werde nicht ausreichend von den Kommunen unterstützt. Bislang könnten deshalb nur 10 bis 15 Prozent der verschuldeten Menschen unterstützt werden.

Mit einem Positionspapier forderte die Arbeitsgemeinschaft die Kommunen und Länder auf, die Schuldnerberatungsstellen massiv auszubauen. Eine Schuldnerberatung wirke sich positiv aus auf Überschuldete, öffentliche Haushalte und Gläubiger. Jeder überschuldete Bürger müsse daher die Möglichkeit haben, kurzfristig einen Beratungstermin zu bekommen. Dafür seien bundesweit rund 1.600 neue Beratungskräfte notwendig, also mindestens zwei vollzeitbeschäftigte Schuldnerberatungsfachkräfte je 50.000 Einwohner. (1467)

(Artikel vom 01.07.2011)