Diakonische Tagesjobs für Parlamentarier
Diakonische Tagesjobs für Parlamentarier
Initiative "Seitenwechsel" findet in Landtagsfraktion Widerhall (Korrespondentenbericht)
Von Bernd Mayer
Am kommenden Freitag hat Bayreuths Matthias-Claudius-Haus einen ungewöhnlichen Mitarbeiter mehr: Landtagsabgeordneter Christoph Rabenstein (SPD) begibt sich für einen Arbeitstag in die Obhut von Heimleiter Georg May, der seinen Mini-Jobber im Pflegeheim möglichst vielseitig einsetzen will. Rabenstein gehört zu der kleinen Minderheit bayerischer Parlamentarier, die eine Initiative des bayerischen Diakonie-Präsidenten Ludwig Markert (Nürnberg) aufgreifen.
Unter dem Motto "Seitenwechsel" können bayerische Mandatsträger eine begrenzte Zeit - zwischen einem Tag und einer Woche - in einer diakonischen Einrichtung ihrer Wahl Dienst tun. Bayerns Diakonie-Präsident Ludwig Markert und sein Vize Jörg Kruttschnitt gingen schon im Vorjahr mit gutem Beispiel voran: Von der SPD-Landtagsfraktion beteiligen sich fünf von 41 Mitgliedern am diakonischen Kurzzeiteinsatz, unter ihnen auch Fraktionschef Franz Maget und die frühere SPD-Generalsekretärin Susan Biedenfeld.
Der Chef der CSU-Landtagsfraktion, Joachim Hermann, hat bereits einen Arbeitseinsatz bei der Diakonie Erlangen hinter sich gebracht. Wie viele Abgeordnete der Mehrheitsfraktion CSU sowie der Grünen im Landtag den "Seitenwechsel" mit vollziehen, darüber konnte das Diakonische Werk Bayern keine Angaben machen. Rabenstein liegt jedoch jede Kollegenschelte fern: "Jeder sollte da eine ganz persönliche Entscheidung treffen."
Von Heimleiter Georg May wurde der Bayreuther Abgeordnete schon im Vorfeld über das gegenwärtig größte Ärgernis informiert: "Am schlimmsten fühlen wir uns durch die Gesundheitsreform belastet - vor allem durch den bürokratischen Aufwand im Umgang mit den Krankenkassen." Allein bei der Praxisgebühr, so May, habe sein Haus gegenwärtig mit vierzig verschiedenen Hausärzten zu tun.


