Christen, Juden und Muslime gegen Rechts
Christen, Juden und Muslime gegen Rechts
Über 7.000 Teilnehmer bei Demonstrationszug in Würzburg
Mehr als 7.000 Menschen sind nach Polizeiangaben am Samstag in Würzburg einem Aufruf von Christen, Juden und Muslimen zu einem Protestmarsch gegen Rechts gefolgt. Unter dem Motto "Würzburg bunt statt braun - Religionen für die Menschenwürde" distanzierten sie sich von einer am selben Tag angesetzten NPD-Demonstration zum 60. Jahrestag der Zerstörung der Stadt durch britische Bomberverbände. An dem von einem starken Polizeiaufgebot begleiteten Zug von NPD-Anhängern unter der Parole "Kein Vergeben - kein Vergessen" nahmen etwa 250 Personen teil.
"Würzburg sagt Nein zu braunen Parolen; Würzburg sagt Ja zur Versöhnung und zu einem Zusammenleben in Frieden und gegenseitiger Achtung", erklärte Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer bei der Schlusskundgebung der Religionsgemeinschaften vor dem Dom. Unter den Teilnehmern waren neben Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern auch der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann und der evangelische Regionalbischof Helmut Völkel.
Der evangelische Würzburger Dekan Günter Breitenbach, als Initiator des erstmals geschmiedeten Bündnisses von Christen, Juden und Muslimen gegen Rechtsradikalismus vorgestellt, betonte, dass man nicht gegen "irregeleitete Menschen" in den Reihen der NPD auf die Straße gehe sondern für die Menschenwürde. Wo eine Partei elementare Grundlagen des Zusammenlebens infrage stelle, dürften Religionsgemeinschaften nicht schweigen.
Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinen Bayerns, Josef Schuster ließ seine Rede wegen des jüdischen Sabbat-Tages verlesen. Er erinnerte an die jüdischen Opfer der NS-Zeit und verwies auf das Wiederstehen der jüdischen Gemeinde in Würzburg und den Bau ihres neuen Zentrums "Shalom Europa". Schuster machte deutlich, dass die Juden ungeachtet antisemitischer Tendenzen bleiben werden.
Der katholische Generalvikar Karl Hillenbrand forderte auf, Farbe zu bekennen, Haltung zu bewahren und Gesicht zu zeigen. Es gehe um Erinnerung und Versöhnung, so Hillenbrand, aber auch darum, dass sich Christen, Juden und Muslime gegenseitig mehr beachteten und neue Wege der Verständigung suchten. Dazu sei "Mut zur Begegnung" nötig.
Gegen Intoleranz und Extremismus wandte sich Sadiqu Al-Mousllie, Vorsitzender des Islamischen Forums in Würzburg. Er plädierte für einen Dialog mit gefährdeten Personen. Grundlage für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen sei Toleranz, Vergebung und Versöhnung. Hass und Hassprediger dürfe es "um der Kinder willen" nicht geben.


