Lichtblick für die Evangelische Medienzentrale
Lichtblick für die Evangelische Medienzentrale
Von Schließung bedrohte Einrichtung soll Galgenfrist bekommen
Die von Schließung bedrohte Evangelische Medienzentrale in Nürnberg sieht einen Silberstreif am Horizont. Statt dem befürchteten Aus zum Jahresende soll die bayernweit operierende Medien-Verleihstelle eine zweijährige Galgenfrist bis 2007 bekommen. Das sieht ein Beschlussvorschlag des Landeskirchenrates vor, über den die bayerische Landessynode im April in Augsburg entscheiden soll.
Im Mai 2003 hatte die Kirchenleitung noch beschlossen, im Rahmen ihres Sparkonzepts die Medienzentrale mit ihren neun Beschäftigten schnellstmöglich zu schließen. Dagegen erhob sich ein Sturm des Protests. 2.600 Ausleiher appellierten in Solidaritätserklärungen an die Kirchenleitung, Lehrer und Gemeindemitarbeiter nicht von audiovisuellen Hilfsmitteln abzuschneiden. Ohne Filme, CD-ROMs und DVDs sei kein zeitgemäßer Religionsunterricht möglich.
Parallel dazu startete die Medienzentrale Initiativen um ihre Eigeneinnahmen zu erhöhen und somit den Kirchensäckel zu entlasten. Jüngstes Beispiel ist die Gründung eines Fördervereins unter Vorsitz des Nürnberger SPD-Stadtrats Michael Ziegler, Bildungsreferent des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Binnen weniger Wochen sind schon 230 Mitglieder beigetreten. Das Signal sei eindeutig, sagte Ziegler am Dienstag vor Journalisten: "Liebe Landeskirche, hau die Medien nicht in die Pfanne!" Mit den Mitgliedsbeiträgen will der Förderverein zur Sicherung der Arbeitsplätze in der Medienzentrale beitragen.
Als riesigen Erfolg bezeichnete Ziegler auch die Einführung von Ausleihgebühren. Obwohl die Kunden nun Geld bezahlen müssten, seien 85 Prozent bei der Stange geblieben. "Das zeigt, wie wichtig ihnen das Angebot ist", folgerte er. Ihre Initiativen bündelte die Medienzentrale in einem eigenen Sparkonzept, das mit nur noch 250.000 Euro Jahreszuschuss der Landeskirche auskommen will statt bisher 400.000. Dieser deutlich reduzierte Zuschussbedarf ist die Grundlage für den Schließungs-Aufschub.
Die breite Unterstützung für die Medienzentrale und ihr kreativer Umgang mit dem Sparzwang hätten auf die Kirchenleitung Eindruck gemacht, vermutet Medienzentralen-Chef Klaus Ploth. Ein weiterer Grund für den Aufschub sei der Mangel an besseren Vorschlägen. "Die Kirchenleitung hat bisher noch keine billigeren Alternativen zu unserer Arbeit gefunden", sagte er.
Die Evangelische Medienzentrale hat im vergangenen Jahr mehr als 14.000 Filme und andere Medien ausgeliehen und damit 440.000 Zuschauer erreicht. Ihr zweiter Aufgabenbereich sind medienpädagogische Fortbildungen.


