Hoch im bayerischen Norden
Hoch im bayerischen Norden
Landesbischof Johannes Friedrich beim letzten Dekanatsbesuch seiner Amtszeit im Dekanat Bad Neustadt
Es ist die Nummer 68, das letzte evangelische Dekanat auf der Liste. Seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren hat Bayerns evangelischer Landesbischof Johannes Friedrich jedes Dekanat im Freistaat besucht. Nur in Bad Neustadt, ganz im Norden Bayerns, war er noch nicht - bis jetzt. Am Donnerstag und Freitag visitierte Friedrich zum letzten Mal in seiner Amtszeit, die am 31. Oktober endet, ein Dekanat. Unter anderem besuchte er das Ausbildungszentrum des Bundesverbandes Deutscher Bestatter in Münnerstadt (Kreis Bad Kissingen).
Friedrich waren die Dekanatsbesuche immer ein Herzensanliegen, auch wenn die vielen Reisen durchaus anstrengend waren. "Ich habe fast nichts lieber gemacht als Dekanatsbesuche", sagte er vor kurzem dem epd. Genau das stellte er am Freitagmorgen unter Beweis, als er das Berufsbildungszentrum (BBZ) Münnerstadt besuchte. "Ich war natürlich schon in einigen Berufsbildungszentren", sagte er. Und trotzdem hörte er aufmerksam zu, interessierte sich aufrichtig für die Besonderheiten der Schule sowie die Sorgen und Nöte der Lehrkräfte und Schüler.
Am BBZ werden unter anderem junge Menschen für die Alten- oder die Kinderpflege ausgebildet. Doch oft brauchen die Schüler erst mal selbst eine helfende Hand, "weil sie aus schwierigen Verhältnissen kommen", erläuterte Schulleiter Harry Koch. Rund ein Drittel der Schüler brauche "viel Zuwendung, weil sie das bislang so nicht erfahren haben". Dieser erhöhte Förderbedarf habe viele Gründe: familiäre Vorbelastungen, Flüchtlinge aus anderen Ländern, und, und, und. "Ich bin beeindruckt vom Engagement ihrer Lehrer und Ehrenamtlichen", so Friedrich.
Beim Bundesverband Deutscher Bestatter ließ sich der Landesbischof zeigen, wie Bestatter heutzutage ausgebildet werden. Erst seit 2003 ist der Bestatter ein Lehrberuf, seit 2010 ein Meisterberuf. In Münnerstadt finde die überbetriebliche Ausbildung für ganz Deutschland statt, sechs Wochen sei jeder Lehrling während seiner dreijährigen Ausbildung in der Rhön, sagte Verbandschef Rolf Lichtner. Neben dem Bestatterberuf könne man im Ausbildungszentrum Münnerstadt auch Fachausbildungen machen, beispielsweise zum Kremationstechniker.
Rund 45 Prozent aller Bestattungen in Deutschland sind Lichtner zufolge inzwischen nicht-christlich. Landesbischof Friedrich bedauerte diesen Trend zur Säkularisierung von Beerdigungen. Er sei betroffen darüber, dass selbst evangelische Kirchenmitglieder keine kirchliche Beerdigung mehr wünschen - machte dafür aber auch die Kirche selbst als Ursache aus. Manchmal würden Beerdigungen von Pfarrern "lieblos gemacht", sagte er. Säkulare Trauerredner könnten sich das nicht leisten, weil sie davon lebten - daher würden sie Pfarrern mitunter vorgezogen.
"Beerdigungen sind aber das ureigenste Geschäft der Kirche, das sollten wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen", sagte Friedrich. Er betonte beim Besuch des Lehrfriedhofes in Münnerstadt auch die Bedeutung von öffentlichen Trauerorten wie Friedhöfen oder Friedwäldern. "Das ist so wichtig, damit nicht nur die engsten Verwandten Zugang haben", sagt der Landesbischof: "Die Öffentlichkeit muss gewährleistet sein."
Friedrich bekräftigte am Freitag auch die Position der Landeskirche bei kirchlichen Beerdigungen von Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind. "Wenn jemand ausgetreten ist, gibt es keine kirchliche Beerdigung, weil wir diese Austrittsentscheidung ernst nehmen", so Friedrich. Man wolle Menschen nicht nach dem Tod gegen ihren Willen vereinnahmen. Hingegen sei man offen für Trauergottesdienste für die Angehörigen von aus der Kirche ausgetretenen Verstorbenen. (1592/b112230, -31, -32)


