"Bach ist eigentlich nie verstaubt"
"Bach ist eigentlich nie verstaubt"
Drei Fragen an: den Ansbacher Bachwochen-Chef Johannes Schwinn - (epd-Gespräch)
Johannes Schwinn ist seit mehr als 40 Jahren eng mit der Ansbacher Bachwoche verbunden. 1967 begann er als Bachwochen-Helfer, damals war er noch Schüler. Seit zehn Jahren leitet er nun die Geschäftsstelle des renommierten Musikfestivals im Mittelfränkischen, das dieses Jahr vom 29. Juli bis 7. August stattfindet.
epd: Johann Sebastian Bach ist seit mehr als 260 Jahren tot. Was macht ihn heute noch immer für ein Musikfestival interessant?
Schwinn: Das ist ja das Erstaunliche, dass Bach eigentlich nie verstaubt. Es hat über die Jahrhunderte die verschiedensten Arten gegeben, Bach aufzuführen. Er ist sehr romantisch gespielt worden, er wird jetzt im Originalklang gespielt, aber es schadet der Musik nicht. Außerdem haben wir ja nicht nur Bach dabei, sondern auch seine und unsere Zeitgenossen. Wir haben zum Beispiel heuer wieder eine Uraufführung eines Werkes des 2. Ansbachischen Konzertes, das die Bachwoche in Auftrag gegeben hat. Das hat übrigens ein Komponist aus der Region geschrieben, der auch schon mal als Bachwochen-Helfer dabei war.
epd: Bachwochen und -festivals gibt es in vielen deutschen Städten. Was macht die Ansbacher Ausgabe so besonders?
Schwinn: Sie ist die älteste - abgesehen von Leipzig vielleicht. Die Bachwoche Ansbach ist ja nur deswegen so wichtig geworden, weil der Zutritt zu den originären Bach-Stätten, die alle in der ehemaligen DDR liegen, versperrt war. Wir haben teilweise auch Künstler aus der DDR hier gehabt, die eine Reiseerlaubnis nach Ansbach bekamen. Diese Erlaubnis ist manchmal auch kurzfristig und ohne Begründung wieder aufgehoben worden. Da musste man schnell umplanen. Diese Probleme gibt es ja nun nicht mehr. Wir laden den Dresdner Kammerchor mit der größten Selbstverständlichkeit ein und die kommen auch.
epd: Was war das Kurioseste, das Sie seit ihrem Engagement bei der Ansbacher Bachwoche erlebt haben?
Schwinn: Eine ganz kuriose Sache gab es mal in den 1970er Jahren. Da hatten wir das Kammerorchester Jean-François Paillard aus Frankreich eingeladen. Paillard ist ein Hobbypilot und wollte mit seiner Maschine nach Ansbach kommen. Als Freizeitflieger ist er an der Autobahn entlang geflogen, hat irgendeine Abzweigung verpasst und ist Richtung tschechische Grenze geflogen. Er hatte keinen Funk an, deshalb haben die Amerikaner zwei Abfangjäger losgeschickt, um ihn noch vor der Grenze abzudrängen. Es gibt in unserem Archiv immer noch ein Foto, wo er mit ganz bedröppelt Gesicht vor seinem Flugzeug in Petersdorf am Flughafen in der Nähe von Ansbach steht. (1650/b112310)


