Angriffe auf Kriegsreporter meist folgenlos: "Reporter ohne Grenzen" fordern härteres Vorgehen

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Angriffe auf Kriegsreporter meist folgenlos: "Reporter ohne Grenzen" fordern härteres Vorgehen

Von Gabriele Rettner-Halder (epd)

20 Jahre ist es am 26. Juli her, dass der Reporter der "Süddeutschen Zeitung" Egon Scotland mit 42 Jahren in Kroatien von Scharfschützen ermordet wurde. Aus diesem Anlass fordern die Hilfsorganisationen"Reporter ohne Grenzen" und "Journalisten helfen Journalisten" zu verstärkten Bemühungen auf, die Tötung von Journalisten nicht ungesühnt zu lassen.

Der Verantwortliche für Scotlands Ermordung durch Heckenschützen ist bis heute nicht gefasst worden. Aufschluss erhoffen sich Beobachter von dem demnächst beginnenden Prozess gegen den viele Jahre flüchtigen Goran Hadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Hadzic befehligte in Kroatien ein serbisches Freischärler-Korps, das im Grenzgebiet ganze Dörfer niedergemacht haben soll und für Folterungen und Ermordungen verantwortlich gemacht wird. Immer häufiger würden Journalisten in Kriegs- und Konfliktgebieten zur Zielscheibe, erklären "Reporter ohne Grenzen" und die nach Scotlands Ermordung gegründete Vereinigung "Journalisten helfen Journalisten".

Nach Angaben der beiden Organisationen fanden dieses Jahr 33 Medienvertreter in Ausübung ihres Berufs den Tod, knapp die Hälfte von ihnen war in Kriegsgebieten unterwegs. "Journalisten und Zivilisten werden Opfer gezielter Todesschüsse", stellt Carl Wilhelm Macke von "Journalisten helfen Journalisten" fest.

"Die meisten Täter gehen straffrei aus", sagt der Vorstandssprecher von "Reporter ohne Grenzen", Michael Rediske. Nur wenn den Verantwortlichen Strafen drohen, könnten Angriffe wirksam verhindert werden. Zwar habe sich der völkerrechtliche Schutz für die Berichterstatter formal deutlich verbessert, die Gefahren seien aber nicht geringer geworden. Rediske führt dies auf irreguläre Truppen, Milizen und terroristische Banden zurück, die Ermordung und Entführung als legitimes Mittel betrachteten. Als besonders prekär stuft "Reporter ohne Grenzen" derzeit Somalia und Nordafrika ein. (1666/25.07.2011)

(Artikel vom 25.07.2011)