Ältestes Wunschkonzert Bayerns

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Ältestes Wunschkonzert Bayerns

Winterhausen feiert wieder sein traditionelles "Chormahl"

Nach siebenjähriger Unterbrechung wird in Winterhausen bei Würzburg wieder das "Chormahl" gefeiert. Der Brauch ist eng mit der Geschichte des örtlichen Kirchenchors verbunden. Er wurde vor 380 Jahren gegründet und gilt als einer der ältesten der evangelischen Landeskirche. Das traditionelle "Ansingen" zum Auftakt des "Chormahls" haben dem Chor und dem Musikverein der Maintalgemeinde zu dem Ruhm verholfen, Bayerns ältestes Wunschkonzert zu veranstalten.

Angeführt von einem "Fiskal" werden diesmal am 16. April Männer und Frauen in historischen Trachten durch Winterhausens Straßen und Gassen ziehen, um Wünsche nach Volksliedern und geistlichen Weisen zu erfüllen. Die vom "Fiskal" eingesammelten Spenden dienen der Chorarbeit.

Da die Sängerinnen und Sänger bei der anstrengenden Tagestour meist etwas an Stimmkraft einbüßen, wird zum eigentlichen "Chormahl" erst am 24. April geladen. Das Gemeindefest beginnt mit einem Kantaten-Gottesdienst in der St. Nikolauskirche. Nach einem Empfang im renovierten Kantoratsgebäude lädt die Kirchengemeinde den Chor zum Mittagessen in das Bürgerhaus ein. Anschließend wird ein neuer "Fiskal" ernannt. Laut Chorordnung verwaltet er nicht in nur das Geld sondern ist mit dem "Chormeister" auch für die Disziplin bei Proben und Auftritten zuständig.

Erlassen wurden die Anweisungen 1625 von dem damaligen Winterhausener Patronatsherrn Graf Rechteren zu Limpurg-Speckfeld. Sie sahen teils strenge in Geld- oder Wein zu entrichtende Strafen für Unpünktlichkeit vor, verschafften den Chormitgliedern aber auch Privilegien wie der Befreiung von Fron- und Wachdienst.

Festgehalten wurde damals auch ihr Anspruch auf jährlich zwei Eimer Wein aus der gräflichen Kellerei. Die Gemeinde musste dafür jeweils 20 Gulden entrichten. Das daraus entstandene "Chormahl" wurde zunächst jährlich, später - vermutlich durch Kriegseinflüsse - nur noch unregelmäßig gefeiert. 1949 einigten sich Chor und Kirchengemeinde auf die biblische Zahl sieben bei der Festlegung des jährlichen Zeitabstands.

(Artikel vom 06.04.2005)