Konsequent und kompromisslos den christlichen Glauben gelebt

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Konsequent und kompromisslos den christlichen Glauben gelebt

Gedenkgottesdienst für Dietrich Bonhoeffer

Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat den vor 60 Jahren im KZ-Flossenbürg hingerichteten Theologen Dietrich Bonhoeffer als Vorbild für die Kirche gewürdigt. Bonhoeffer habe "konsequent und kompromisslos" den christlichen Glauben gelebt, sagte der Bischof am Sonntag bei einem Gedenkgottesdienst in Flossenbürg. Die Nachfolge Christi habe Bonhoeffer, der am 9. April in Flossenbürg am Galgen starb,

Kraft und die Zivilcourage gegeben, um für die durch das NS-Regime bedrängten Menschen einzutreten.

Nach Überzeugung Bonhoeffers, dass Kirche kein "Selbstzweck" sei, sondern Anwältin für die Menschen sein müsse, habe sich der evangelische Theologe schon früh der Juden-Verfolgung und der rassistischen Staatsideologie der Nazis widersetzt. Deshalb müsse die Kirche nach dem Vorbild Bonhoeffers deutlich Widerstand leisten, "wo heute der Antisemitismus sein Gift verströmt". Es sei ein traurige Tatsache, dass Judenfeindlichkeit wieder ein europaweites Problem sei. Da Jesus selbst Jude war, könnten Christen keine Antisemiten sein, betonte Friedrich.

Die Kirche könne nicht des "evangelischen Heiligen" Bonhoeffer gedenken, ohne an das eigene Versagen zu erinnern, sagte der Bischof. Während der NS-Zeit sei Antisemitismus auch unter den Theologen verbreitet gewesen. Dieser Antisemitismus sei bis in die christliche Verkündigung hineingegangen: "Für nicht wenige Christen waren die Juden die, die Jesus ans Kreuz geschlagen hatten."

(Artikel vom 10.04.2005)