"Bonhoeffer hat mehr zu bedeuten als Johannes Paul II."

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"Bonhoeffer hat mehr zu bedeuten als Johannes Paul II."

Schorlemmer würdigt den vor 60 Jahren hingerichteten Theologen

Mit kritischen Anmerkungen an die katholische Kirche hat der Wittenberger evangelische Pfarrer und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer das geistliche Vermächtnis des 1945 ermordeten Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer gewürdigt. Der evangelische Theologe Bonhoeffer habe substanziell "so unendlich viel mehr für uns heute zu bedeuten als der verstorbene Papst Johannes Paul II., der jetzt auf eine Weise in den Himmel gejubelt wird, dass man meint, man wäre noch im Mittelalter", sagte Schorlemmer am Samstag dem epd.

Durch sein persönliches Beispiel habe Bonhoeffer gezeigt, dass man die Mündigkeit des Menschen in einer mündigen Welt als Christ ernst nehmen müsse und dass dies die Kirche auch tun müsse. "Das ist ein Widerspruch, den die katholische Kirche bei sich offenbar nicht auflösen kann,", sagte Schorlemmer. Gerade heute sei Bonhoeffers kritisches und glaubwürdiges Zeugnis "das Salz in der Suppe unseres sich ins Bürgerliche zurückziehenden Christentums".

Bei der Veranstaltung zum 60. Todestag Bonhoeffers in der Evangelischen Heimvolkshochschule Alexandersbad in Oberfranken betonte Schorlemmer, dass Bonhoeffers Theologie im geteilten Deutschland eine grenzüberschreitende Rolle gespielt habe. "Bei ihm waren die Deutschen immer schon vereint." Vor allem in den kirchlichen Gruppen und Gemeinden sei Bonhoeffer eine Art "gesamtdeutscher Basistheologe" gewesen. Dagegen haben sich nach Schorlemmers Worten die Kirchenleitungen in Ost- und Westdeutschland mit den Ansichten des mutigen Theologen oft schwer getan.

(Artikel vom 10.04.2005)