Geschwister-Scholl-Preis für chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu

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Geschwister-Scholl-Preis für chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu wird für sein Buch "Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen" mit dem mit 10.000 Euro dotierten Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. "Das Manuskript dieses erschütternden, wilden und mitreißenden Buches wurde von den chinesischen Behörden mehrmals beschlagnahmt - und so musste Liao Yiwu es mehrmals schreiben", teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern am Donnerstag in München mit.

In Yiwus Buch werden die vier Jahre der Inhaftierung des Autors von 1990 bis 1994 geschildert. Liao Yiwu hatte am Vorabend des Massakers im Jahr 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking ein prophetisches Gedicht geschrieben, für das er inhaftiert wurde, wie es hieß. Die Preisverleihung findet am 14. November in der Ludwig-Maximilians-Universität München statt. Die Laudatio auf Yiwu wird Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller halten.

"Liao Yiwus epischer, drastischer Bericht handelt von der Brutalität und Absurdität willkürlicher Repression", heißt es in der Jurybegründung. Liao Yiwu unternehme den Versuch in seiner starken, mal illusionslosen, mal bildreichen Sprache, allen Erniedrigten Chinas eine Stimme zu geben."

Der Schriftsteller kämpfe einen literarischen Kampf für die Wiederherstellung der Menschenwürde - "er ist ein großer Künstler und ein mutiger Chronist zugleich", der seinen eigenen Kopf und seinen eigenen Ton habe, würdigte die Jury Yiwu. Gerade damit sei der Literat im Sinne des Vermächtnisses der Geschwister Scholl ein Vorbild für alle, die gegen Ungerechtigkeit und Diktatur aufbegehren. Mit der Auszeichnung von Liao Yiwu verbinde sich die mahnende Hoffnung, dass er einmal in ein freies, demokratisches China zurückkehren möge, erklärte die Jury.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern und die Landeshauptstadt München vergeben den Geschwister-Scholl-Preis 2011 zum 32. Mal. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der Bürgerrechtler und evangelische Pastor Joachim Gauck, der israelische Schriftsteller David Grossmann sowie die russisch-amerikanische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Anna Politkovskaja. Sinn und Ziel ist es, jährlich ein Buch jüngeren Datums auszuzeichnen, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern, wie es auf der Homepage des Geschwister-Scholl-Preises heißt.

Internet: www.geschwister-scholl-preis.de (2134)

(Artikel vom 29.09.2011)