Das Pfarramt als Mietwagenstation

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Das Pfarramt als Mietwagenstation

Von Daniel Staffen-Quandt (epd)

Uwe Stradtner ist Umweltschützer mit Leib und Seele. Der evangelische Pfarrer aus dem unterfränkischen Gnötzheim (Kreis Kitzingen) fährt seit mehr als zwölf Jahren Elektrofahrzeuge, davor waren er und seine Frau Christine sogar immer nur mit dem Fahrrad unterwegs. Seit 1. Oktober steigt er aber immer wieder auch in ein normales Auto. Nicht ins eigene, sondern ins "DorfAuto", dem Mietwagen der Kirchengemeinde.

Viele Familien im 300-Seelen-Dorf Gnötzheim haben nicht nur ein Auto, sondern mindestens zwei oder drei. "Mit dem einen fährt man morgens zur Arbeit, mit dem zweiten einkaufen - und das dritte nehmen dann die großen Kinder für die Fahrt zur Schule", sagt Pfarrer Stradtner. Es klingt nicht vorwurfsvoll, er beschreibt nur die Lage in einem kleinen Dorf, in dem der öffentliche Nahverkehr aus drei bis vier Schulbussen besteht.

Bei einer Sitzung der Energiegenossenschaft Gnötzheim - die Bewohner planen nämlich den Bau eines ökologisch betriebenen Nahwärmenetzes - wurde die Idee für ein Car-Sharing-Auto im Dorf geboren. Zunächst sei ein Elektroauto geplant gewesen, erinnert sich Pfarrer Stradtner. Aber er, der seit Jahren selbst elektrisch fährt, habe davon abgeraten: "Für Benzin-Fahrer wäre die Umstellung auf Elektro zu groß gewesen."

Weil die Genossenschaft dann mit ihrem Nahwärmenetz doch zu viel um die Ohren hatte, um sich nebenbei um ein Mietauto zu kümmern, sprang die evangelische Kirchengemeinde ein. Im Oktober startete das Projekt offiziell. Seither kann jeder Gnötzheimer den Wagen für zwei Euro pro Stunde mieten, sobald man 200 Euro Kaution hinterlegt hat. Als weitere Kosten kommen 25 Cent Kilometergeld hinzu, das Benzin ist inklusive.

Bislang haben neun Haushalte einen Vertrag geschlossen, Stradtners eingeschlossen. Rund 8.000 Euro wurden für das neue Auto anbezahlt, berichtet Stradtner, "aber die Kirchengemeinde musste keinen Cent aufbringen". Engagierte Förderer hätten die Anzahlung für das Auto gestemmt, die laufenden Kosten belaufen sich "monatlich auf 107 Euro für die Leasingrate und auf 1.600 Euro pro Jahr für die Versicherung".

Das "DorfAuto" fährt damit auch bei relativ geringer Tages-Auslastung kostendeckend. "Im Schnitt muss es drei Stunden am Tag und dabei 40 Kilometer unterwegs sein", sagt Uwe Stradtner. Das sei es bereits jetzt, obwohl es noch genügend ungenützte Zeiten gebe. Gebucht wird das Auto entweder telefonisch - oder direkt in einem Online-Kalender. Den Schlüssel gibt es beim Pfarrer oder der Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Claudia Ott.

"Das ist eine wirklich tolle Sache", sagt Vertrauensfrau Ott. Sie selbst nutze den weißen Flitzer ab und zu, um ihre Kinder aus der Schule zu holen. Ihre Familie besitze zwar bereits zwei Autos, eines davon werde aber kaum bewegt. "Ab und zu braucht man dann aber eben doch mehr als eins", erläutert sie. Derzeit teste sie deshalb, ob sie auch mit dem mietbaren "DorfAuto" statt eines eigenen Zweitwagens auskomme.

Auch außerhalb Gnötzheims ist das Projekt schon auf große Zustimmung gestoßen. Der evangelische Ansbach-Würzburger Regionalbischof hat der Kirchengemeinde ein eigenes Handy fürs "DorfAuto" geschenkt. Die Regionalmanagerin im Landratsamt Kitzingen, Maja Schmidt, ist ebenso angetan: "Das wird der Beweis sein, dass Car-Sharing auch außerhalb der Stadt funktioniert." Uwe Stradtner jedenfalls ist guter Dinge. (2317/b113130-31)

(Artikel vom 25.10.2011)