Fachmesse Consozial: Besserverdiener sollen mehr Steuern zahlen

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Fachmesse Consozial: Besserverdiener sollen mehr Steuern zahlen

Besserverdienende müssen nach Ansicht des Ulmer Nachhaltigkeitsforschers Franz Josef Radermacher in Zukunft mehr zur Kasse gebeten werden. "Wer am meisten von unserer Gesellschaft profitiert, sollte auch am meisten für den Erhalt ihrer Funktionsfähigkeit bezahlen", sagte der Ulmer Universitätsprofessor, der für eine Ökosoziale Marktwirtschaft und eine gerechtere Globalisierung eintritt, am Mittwoch auf der Nürnberger Consozial. Die größte deutsche Fachmesse für den Sozialmarkt dauert noch bis Donnerstag.

Staaten, in denen 80 Prozent der Bevölkerung weniger als die Hälfte des Kuchens abbekämen, müssten auf lange Sicht mit prekären Verhältnissen rechnen, warnte Radermacher. Noch sei dies in Europa nicht der Fall, im Zuge der Globalisierung aber immer wahrscheinlicher. "Nur eine Gesellschaft, in der die soziale Balance vorhanden ist, ist auch eine glückliche, funktionierende Gesellschaft. Der Verlust einer Balance kann hässliche Konsequenzen für eine Demokratie haben", betonte der Nachhaltigkeitsforscher. Demnach müsse man soziale Arbeit als Investition in eine funktionierende Gesellschaft sehen, an der sich alle beteiligen müssten.

Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) sprach sich auf der Consozial für eine Anrechnung von Erziehungs- und Pflegezeiten in der Sozialversicherung aus. Die Politik müsse dafür sorgen, dass die Familie weiterhin Ort des sozialen Zusammenhalts bliebe und wichtige Sozialleistungen dort erfüllt werden könnten. "Unser aktuelles Sozialsystem ist ausschließlich auf Erwerbstätige ausgerichtet. Wir müssen heute aber die Weichen dafür stellen, dass wir auch in Zukunft genügend Menschen gewinnen, die soziale Leistungen erbringen", betonte Haderthauer. Hierbei seien bessere Rahmenbedingungen für soziale Leistungen im Privaten genauso wichtig wie ein Imagegewinn der professionellen Pflegeberufe.

Die Consozial steht in diesem Jahr unter dem Motto "Soziale Nachhaltigkeit ? wer erzieht, pflegt und hilft morgen?" und wird bereits zum 13. Mal von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und dem Bayerischen Sozialministerium durchgeführt. Die Veranstaltung umfasst Messe und Fachkongress. Zur zweitägigen Veranstaltung werden 5.000 Führungskräfte aus Sozialeinrichtungen, Firmen und Verbänden erwartet. Sie können sich bei rund 250 Ausstellern über Produkte und Dienstleistungen für alle Bereiche der sozialen Arbeit informieren. Beim Fachkongress mit rund 50 Vorträgen steht das Thema "Soziale Nachhaltigkeit" im Mittelpunkt. (2396)

(Artikel vom 02.11.2011)