Landesbischof Bedford-Strohm: Buß- und Bettag dient der politischen Kultur

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Landesbischof Bedford-Strohm: Buß- und Bettag dient der politischen Kultur

Der Buß- und Bettag ist für den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm mit einer "Vision" für die Gesellschaft verbunden. Der Tag sei "Ausdruck einer politischen Kultur, in der das Zugeben von Fehlern und das Lernen daraus kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein Zeichen von Weisheit", sagte der Bischof am Mittwoch laut Predigttext in der Münchner St. Matthäuskirche.

Die Achtung vor dem Anderen dürfe nicht nur "in Festreden beschworen" werden, sondern sei "Lebenselixier". Der Buß- und Bettag sei daher nicht nur ein innerkirchlicher Feiertag, sondern ein öffentlicher Feiertag, der für die "politische Kultur" benötigt werde und deshalb auch wieder zum gesetzlichen Feiertag werden sollte, so der Landesbischof.

Das diesjährige Bußtags-Motto "Genug ist genug" erinnere daran, wie der materielle Wohlstand die Erde kaputt mache. Nicht das Niveau des materiellen Wohlstandes entscheide darüber, "ob wir ein erfülltes Leben haben", sondern das Niveau des menschlichen Wohlstandes, sagte Bedford-Strohm. Ein erfülltes Leben habe, wer fair miteinander umgehe und sich für eine Gesellschaft einsetze, in der die Arbeit angemessen bezahlt werde. Dazu gehöre Solidarität mit Schwachen und die Fähigkeit, zu Vergeben.

Zur Kritik an den Arbeitsverhältnissen in der Diakonie sagte der Landesbischof, dazu gebe es eine Menge Rückfragen. Kirche und Diakonie müssten sich fragen, ob sie unter dem Druck des Wettbewerbs hinter den eigenen Maßstäben zurückblieben. Dahinter stehe auch die Frage nach der Authentizität der Kirche. Bedford-Strohm rief zum Nachdenken, Innehalten und, wo nötig, zur Selbstkritik auf.

Der Buß- und Bettag ist seit 1995 nur noch in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. In den anderen Bundesländern wurde er zur Finanzierung der Pflegeversicherung gestrichen. Die evangelische Kirche bezeichnet die Abschaffung bis heute als Fehlentscheidung. Für evangelische Christen steht der Tag für Besinnung und Neuorientierung. Den ersten evangelischen Buß- und Bettag gab es im Jahr 1532 in Straßburg. (2510)

(Artikel vom 16.11.2011)