Gewürzbraten als Dankeschön -

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Gewürzbraten als Dankeschön -

Seit 380 Jahren wird in Winterhausen das "Chormahl" gefeiert

Nach siebenjähriger Unterbrechung ist am Sonntag in Winterhausen bei Würzburg wieder das "Chormahl" gefeiert worden. Etwa 80 Personen nahmen an dem festlichen Essen im Bürgerhaus teil. Es geht auf einen 380 Jahre alten Brauch zurück, der eng mit der Geschichte des ebenso alten Kirchenchores von Winterhausen verbunden ist. Das Festmahl begann mit einem Kantatengottesdienst in der St. Nikolauskirche, den Pfarrer Ulrich Vogel hielt. Nach einem Empfang im Kantoratsgebäude waren die etwa 75 Sängerinnen und Sänger sowie einige Ehrengäste von der Gemeinde ins Bürgerhaus zu Gewürzbraten, Putenbrust und Wein eingeladen.

Als "Fiskal" wurde Hans König eingeführt. Laut Chorordnung verwaltet er nicht nur die Vereinskasse der Sängerinnen und Sänger sondern ist mit dem "Chormeister" auch für die Disziplin bei Proben und Auftritten zuständig. Erlassen wurden die entsprechenden Anweisungen 1625 von dem damaligen Winterhausener Patronatsherrn Graf Rechteren zu Limpurg-Speckfeld. Sie sahen strenge Strafen für Unpünktlichkeit oder Nichterscheinen vor, die in Geld oder Wein zu bezahlen waren, verschafften den Chormitgliedern aber auch Privilegien wie die Befreiung von Fron- und Wachdienst.

Festgehalten wurde damals auch ihr Anspruch auf jährlich zwei Eimer Wein aus der gräflichen Kellerei. Die Gemeinde musste dafür jeweils 20 Gulden entrichten. Das daraus entstandene "Chormahl" wurde zunächst jährlich, später nur noch unregelmäßig gefeiert. 1949 einigten sich der Chor und die Kirchengemeinde als Gastgeber auf einen Sieben-Jahres-Turnus.

Voraus ging auch diesmal am Samstag der Vorwoche das traditionelle "Ansingen". Es gilt als ältestes Wunschkonzert Bayerns. Der Kirchenchor und eine Musikkapelle zogen fast elf Stunden durch die Straßen und Gassen des Ortes und erfüllte etwa 85 Lied- und 50 Musikwünsche der Bürger. Die dabei gespendeten 2.500 Euro kommen der Chorarbeit zugute und werden vom "Fiskal" verwaltet.

(Artikel vom 24.04.2005)