Kirche will Menschen im Urlaub erreichen

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Kirche will Menschen im Urlaub erreichen

Landessynode mit dem Schwerpunkt "Kirche in der Freizeitwelt" - (Zusammenfassung)

Die bayerische evangelische Landeskirche will die Menschen nicht nur im Gottesdienst, sondern auch auf Campingplätzen, Berggipfeln und Kreuzfahrtschiffen erreichen. Deshalb hat sich die in Rosenheim tagende Landessynode am Dienstag mit dem Schwerpunkt-Thema "Kirche in der Freizeitwelt" befasst.

Kirche müsse dort präsent sein, wo Menschen ihre Freizeit verbringen, sagte Oberkirchenrat Michael Martin vor den 108 Synodalen. Ohne die Zwänge des Alltags gebe es eine hohe Bereitschaft, über den Sinn des eigenen Lebens, über Orientierung und Werte nachzudenken. Seelsorge in der Freizeit eröffne Räume jenseits des Alltagstrotts für die "Begegnung mit Gott, mit anderen Menschen und sich selbst", betonte Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll. In Bayern gebe es bereits jährlich etwa 800 Gottesdienste im Freien, auf Berggipfeln und Waldlichtungen oder an Seeufern, sagte Kirchenrat Thomas Roßmerkel, der im Landeskirchenamt für diesen Arbeitsbereich zuständig ist. Rund 700 Kirchen seien für Touristen die ganze Woche lang tagsüber geöffnet. An 50 "Urlaubsgemeinden" in Tourismusregionen werden laut Roßmerkel zusätzlich zu den Gottesdiensten cirka 5.000 Veranstaltungen für Gäste angeboten, zu denen 180.000 Teilnehmer kommen.

Die kontroverse Diskussion um gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus, mit der sich auch die Landessynode befassen wird, hält unterdessen an. Am Rande der Tagung des Kirchenparlaments übergab der konservative Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) einen "Mahnruf aus den Gemeinden" mit 8.000 Unterschriften an Synodalpräsidentin Deneke-Stoll. Mit der Aktion fordert der Arbeitskreis, die Beschlüsse zum Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus auszusetzen. Unter bestimmten Bedingungen sind nach einem Beschluss des Landeskirchenrates gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Pfarrhäusern möglich.

Die Staatsleistungen Bayerns an die Landeskirche müssen nach Auffassung der kirchlichen "Chefjuristin" Karla Sichelschmidt nicht verändert werden. Die Landeskirche erhalte jährlich 22 Millionen Euro, berichtete die Leiterin des Landeskirchenamtes vor der Landessynode. Eine Änderung der Staatsleistungen, wie sie in letzter Zeit diskutiert wird, müsse nur dann ins Auge gefasst werden, wenn sie zu einer Abhängigkeit der Kirchenleitung führen würde. Dies sei jedoch nicht der Fall, sagte Sichelschmidt. Die Zahlungen seien in einem Staatsvertrag von 1924 geregelt.

Vertiefen will die Landeskirche die grundsätzlichen Beziehungen zwischen evangelischen Christen und der jüdischen Religion. Deshalb soll nach einem Vorschlag des "Gemischten Ausschusses" der Synode die Formulierung, die evangelische Kirche sei aus dem "biblischen Gottesvolk Israel" hervorgegangen, in die Kirchenverfassung aufgenommen werden.

Auf ihrer Tagung, die noch bis Donnerstag dauert, müssen die Synodalen noch den kirchlichen Haushalt für das nächste Jahr beschließen. Der Etat sieht ein Volumen von 775 Millionen Euro vor. Die bayerische Landeskirche zählt derzeit rund 2,6 Millionen Mitglieder. (2562)

(Artikel vom 22.11.2011)