Landessynode für ethische Beratung bei Präimplantationsdiagnostik
Landessynode für ethische Beratung bei Präimplantationsdiagnostik
Der Schutz des Lebens in der Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) darf nach Ansicht der Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger nicht aus dem Blick geraten. "Das Leben gilt als höchstes Gut und Gottes Gabe, das in jedem Fall zu schützen ist", sagte Kittelberger in ihrem Bericht aus dem synodalen Ausschuss am Donnerstag vor dem evangelischen Kirchenparlament in Rosenheim. Die Frage nach einer genetisch bedingten Behinderung stelle sich aus dieser Perspektive bestenfalls nachrangig. Medizinische Möglichkeiten hätten in jedem Fall dem Schutz des Lebens zu dienen.
Gleichwohl stehe es der Kirche nicht zu, "anderen Menschen vorzuschreiben, was sie wünschen dürfen oder sollen", sagte Kittelberger. Kirche könne potentielle Eltern und alle weiteren Betroffenen jedoch zu einem verantwortlichen Handeln ermutigen und befähigen. Daraus ergäben sich neue, auch finanzielle Anforderungen an die Beratungsstellen der Diakonie.
Kittelberger wies auf die Mitsprachemöglichkeiten der Kirche bei der Umsetzung des im September von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Präimplantationsgesetzes (PIDImpG) hin. Derzeit stehe beispielsweise noch nicht fest, wer nach welchen Kriterien die neuen PID-Zentren "lizensiere". Ungeklärt sei auch, unter welchen Voraussetzungen eine PID zur Feststellung einer schwerwiegenden Schädigung des Embryos durchgeführt werden dürfe.
Derzeit solle es eine verpflichtende psychosoziale Beratung vor der genetischen Untersuchung in Verbindung mit einer humangenetischen Beratung geben. Nach der Untersuchung sei "nur" noch eine weitere humangenetische Beratung vorgesehen. "Hier sollte die Kirche darauf hinwirken, dass auch nach der genetischen Befundung eine psychosoziale Beratung verpflichtend vorgeschrieben wird", sagte Kittelberger.
Die Kirche müsse auf die Vieldimensionalität des menschlichen Lebens hinweisen. "Der Mensch ist mehr als seine Gene", betonte Kittelberger. Daher müsse über die Grenzen der Verfügbarkeit über menschliches Leben diskutiert werden. Außerdem sei es "zwingend erforderlich", die an der Präimplantationsdiagnostik beteiligten Personen medizinisch, aber auch psychosozial zu begleiten und zu beraten.
Die Landessynode habe es sich zur Aufgabe gemacht, die ethischen Probleme, die mit der Präimplantationsdiagnostik verbunden sind, und die unterschiedlichen Positionen innerhalb der Kirche zu beschreiben. Die Ergebnisse sollen in eine Stellungnahme der Landessynode im Frühjahr 2012 münden, kündigte Kittelberger an. (2604)


