Höchstes Armutsrisiko haben Alleinlebende und Alleinerziehende
Höchstes Armutsrisiko haben Alleinlebende und Alleinerziehende
Alleinlebende und Alleinerziehende tragen in Bayern nach Angaben der Arbeiterwohlfahrt (AWO) das größte Risiko, in die Armut abzurutschen. "Alleinlebende stellen mit 515.000 Betroffenen die größte durch Armut gefährdete Personengruppe", sagte der AWO-Landesvorsitzende Thomas Beyer, der auch Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (nak) ist, laut einer Mitteilung vom Mittwoch in München. Als Grund dafür sehe er die im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich niedrigen Renten an.
Im Freistaat sei besonders für Alleinerziehende eine "alarmierende Entwicklung" zu beobachten, so Beyer. Sie seien mit 40,6 Prozent dreimal höher armutsgefährdet als der Durchschnitt der bayerischen Bevölkerung mit 13,7 Prozent. Gegenüber Haushalten mit zwei Erwachsenen und Kindern wiesen die Alleinerziehenden gar eine vierfach erhöhte Gefährdung auf. Damit sind Alleinerziehende einem "erschreckendenden Armutsrisiko" ausgesetzt, beklagte er.
"Die Sozialberichterstattung der Bayerischen Staatsregierung belegt, dass Frauen nicht nur in größerem Umfang im Niedriglohnbereich beschäftigt sind, sondern auch dass sie in hohem Maße nur in Teilzeit Arbeit finden", sagte Beyer. Im Juni 2010 seien laut Sozialbericht 2011 rund 35 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Teilzeit tätig, aber nur 5,5 Prozent der Männer.
"Wer Armut von überwiegend weiblichen Alleinerziehenden und ihren Kindern wirklich beseitigen will, muss noch viel größere Anstrengungen für eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf unternehmen", forderte der AWO-Landesvorsitzende. Dazu gehörten der zügige Ausbau der Kinderbetreuung.
Die Sozialverband AWO Bayern hat nach eigenen Angaben etwa 70.000 Mitglieder und beschäftigt rund 23.000 hauptamtliche Mitarbeiter in 1.700 Einrichtungen. (2807)


