Landesbischof Bedford-Strohm mahnt: Schwäche zeigen darf nicht bestraft werden
Landesbischof Bedford-Strohm mahnt: Schwäche zeigen darf nicht bestraft werden
In der öffentlichen Diskussion um Fehlverhalten und Schwäche in der Politik hat der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm einen neuen Umgang angemahnt. "Wir brauchen eine neue politische Kultur, die das öffentliche Zeigen von Schwachheit nicht bestraft, sondern als Teil des Menschseins annimmt", sagte der Bischof in seiner Predigt am Sonntag in Landshut. Menschliche Schwäche sollte auch im politischen Geschäft kein Makel sein, sondern ein Zeichen der Menschlichkeit. Auch Politiker dürften sich irren, Fehler machen, sie einräumen und dann dazu lernen, fügte Bedford-Strohm mit Blick auf den Umgang mit Fehlern und Schwächen von Bundespräsident Christian Wulff und des früheren Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hinzu.
Menschliche Fehlbarkeit, Schwäche und Furcht etwa bei Politikern würden erst dann destruktive Bedeutung gewinnen, "wenn sie permanent krampfhaft versteckt werden müssen", sagte der Landesbischof in seinem Antrittsgottesdienst im Kirchenkreis Regensburg. Bürger könnten Politiker ermutigen, das alles nicht zu verbergen.
Es gelte heute als unklug, Schwäche zu zeigen. "Aber ist das richtig?", fragte Bedford-Strohm. Wenn Schwächen offen preis gegeben werden, könne dies eine starke Wirkung haben. Er wisse nicht, was passiert wäre, wenn der Bundespräsident gleich nach Bekanntwerden der jetzt diskutierten Vorwürfe vor die Öffentlichkeit getreten wäre und Schwäche gezeigt hätte, oder ob die Öffentlichkeit zu Guttenberg am Ende verziehen hätte, wenn er die weitaus gravierenderen Vorwürfe gleich zugegeben hätte. In einer christlich geprägten Kultur sollten Menschen jedenfalls nicht vor der Schwachheit davon rennen.
An dem Gottesdienst in Landshut nahmen rund 450 Besucher teil, darunter auch Vertreter aus Politik, der katholischen Kirche und gesellschaftlicher Gruppen. Der Landshuter Oberbürgermeister Hans Rampf (CSU) sagte in seinem Grußwort, die Kirchen seien auch heute noch der Maßstab für moralische Integrität. Damit in modernen Zeiten christliche Werte nicht verloren gehen, sei es wichtig, ehrlich über Glauben, Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu sprechen.
Für die katholische Kirche sagte Monsignore Josef Thalhammer, Aufgabe der Kirchen sei es, dem Glauben ein positives Gesicht zu geben. In der Ökumene werde es weiter gehen, wenn die Gemeinsamkeiten und nicht die trennenden Elemente zwischen den beiden großen Kirche im Mittelpunkt stehen. (0095)


