Historische Dankpredigt in unterfränkischer Gemeinde

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Historische Dankpredigt in unterfränkischer Gemeinde

Seit über 280 Jahren wird in der unterfränkischen Gemeinde Hüttenheim am Sonntag Rogate ("Betet!") eine historische Dankpredigt verlesen. Im Gottesdienst am 1. Mai wird Pfarrer Wolfgang Götschel mit dem überlieferten Text die Besucher an den Wiedereinzug der evangelischen Gemeinde in die Ortskirche auf den Tag genau im Jahr 1721 erinnern, sagte er am Donnerstag dem epd.

Zuvor hatten die Protestanten wegen Religionsstreitigkeiten 94 Jahre lang auf die aktive Ausübung ihres Glaubens im Heimatort verzichten und in die Nachbarorte Nenzenheim und Mönchsondheim ausweichen müssen. Der "Hüttenheimer Rezess" oder Gnadenbrief erst genehmigte den Evangelischen die Mitbenutzung der katholischen Ortskirche, freilich mit Einschränkungen. So durften etwa an Gründonnerstag und Karfreitag nach katholischer Sitte keine Glocken zum Gottesdienst läuten. Die Kosten für Pfarrer und Lehrer hatte die Kirchengemeinde selbst zu tragen. Endgültig beigelegt sind die Konfessionsstreitigkeiten in Hüttenheim, seit die Katholiken Ende des 19. Jahrhunderts eine eigene Kirche bauten.

"Aus Freude und Dank über die nun eingetretene glückliche Wendung", so der Predigttext, bestimmte der Kirchenvorstand, "dass alljährlich am Sonntag Rogate das Gedächtnis dieser Wendung erneuert" und die Namen der Überbringer des Gnadenbriefes genannt werden. Die Gemeinde wird an ihre doppelte Verpflichtung erinnert, sich ihrer Vorfahren durch Charakterfestigkeit würdig zu erweisen und ihrem evangelischen Glauben Ehre zu machen durch guten Wandel und gute Werke.

Den Namen "Rogate" trägt im evangelischen Kirchenjahr der fünfte Sonntag nach Ostern. Die Bezeichnung stammt von den "rogationes", Bittgängen bei Flurprozessionen, die vor allem in Notzeiten abgehalten wurden.

(Artikel vom 28.04.2005)