Kirche muss jeder Art von Menschenverachtung entgegen treten
Kirche muss jeder Art von Menschenverachtung entgegen treten
EKD-Ratsvorsitzender predigt zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau
Mit einem Gedenkgottesdienst hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag an den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erinnert. "Die Scham über die von Deutschen verübte Gewalt und die Solidarität mit ihren Opfern muss fest im kulturellen Gedächtnis verankert bleiben", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber (Berlin) in seiner Predigt in der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Da die Zahl der Zeitzeugen schwinde, müsse Erinnerungsarbeit einen festen Platz in Gesellschaft und Kirche haben.
Dachau sei als "Ort der Schmach" ein Symbol für die Ausgestoßenen und Todgeweihten. "Hier in Dachau können wir spüren, wohin es führt, wenn der Allmachtswahn des Menschen an die Stelle von Gottes Allmacht rückt und wenn die Verachtung des anderen die Liebe zum Nächsten verdrängt", betonte Huber. Die Erinnerung an die im KZ Ermordeten könne helfen, Maßstäbe für das eigene Leben zu finden und couragiert gegen Menschenverachtung jeder Art einzutreten.
Der EKD-Ratsvorsitzende erinnerte in seiner Predigt auch an den westfälischen Pfarrer Ernst Wilm, der 1942 wegen seines Protests gegen die Euthanasie-Praxis der Nazis inhaftiert worden war, das KZ Dachau aber überlebt hatte. Wilms habe kurz nach dem Krieg das Versagen der Kirchen gegen die Euthanasie-Politik der Nazis deutlich benannt. Deshalb, so Huber, bekenne er sich persönlich zum Widerstand gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus. Gedenken dürfe nicht "bloß museal" sein, sondern müsse dazu führen, "dass sich unser Verhalten verändert".
Das KZ Dachau war bereits im März 1933 errichtet worden. Die Nazis inhaftierten dort bis Kriegsende 200.000 Menschen, über 40.000 wurden ermordet. Amerikanische Truppen befreiten das Lager am 29. April 1945.
(Hinweis an die Redaktionen: Zusammenfassung bis 1400)


