Rechtsradikalismus geht nicht "einfach von selbst" weg
Rechtsradikalismus geht nicht "einfach von selbst" weg
Drei Fragen an David Wnendt, Regisseur des Films "Kriegerin"
Seit 19. Januar läuft der Spielfilm "Kriegerin" in den deutschen Kinos. Das Debüt von Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt erzählt die Geschichte einer jungen rechtsradikalen Frau, die in Ostdeutschland ihre ausländerfeindliche Gesinnung ungehindert ausleben kann. Für sein Erstlingswerk hat Wnendt in der Neonazi-Szene recherchiert und junge rechtsradikale Frauen interviewt.
epd: Was treibt junge Frauen dazu, rechtsradikal zu werden?
Wnendt: Es gibt nie einen einzigen Grund. Aber während meiner Recherchen hat sich herauskristallisiert, dass die Familie eigentlich die größte Rolle spielt, dass es Eltern gibt, die sich vollkommen apolitisch verhalten, dem also nichts entgegensetzen können, da sie keine demokratischen Werte vermitteln. Dazu kommen oft die Großväter, die den Enkeln als Kriegsgeneration ihre verklärte Sicht der Geschichte erzählen. Was auch auffällt ist, dass die meisten Neonazis in der Dorfgemeinschaft fest integriert sind. Das sind keine isolierten jungen Leute. Die haben eher das Gefühl, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter ihnen steht. Erschreckenderweise haben sie damit sogar häufig recht. Ich habe Rassismus in allen gesellschaftlichen Schichten erlebt.
epd: Sie haben sich für die Recherchen auch unter die Rechtsradikalen gemischt, sind bei Demos mitmarschiert. Wie haben Sie sich gefühlt?
Wnendt: Ich habe das nicht als gruselig empfunden, eher als skurril. Ich kenne ja meine eigene politische Haltung und die ist Millionen Lichtjahre entfernt davon. Als Filmemacher musste ich in die Szene eintauchen, ich musste das hautnah erleben, sonst hätte ich die Motive nicht verstanden. Ich habe ja auf ganz verschiedenen Ebenen recherchiert. Manche waren etwas spannungsgeladener, manche waren etwas einfacher. Angetrieben dabei hat mich aber immer das Interesse an dem Thema. Ich wollte einfach verstehen, was die Leute zu Neonazis macht.
epd: Ihr Film hat eine klare Botschaft: Rechtsradikalismus ist eine Sackgasse. Denken Sie, dass diese Botschaft bei der Jugend ankommt?
Wnendt: Menschliche Einstellungen lassen sich nur sehr schwer ändern. Da darf man einen Film nicht überschätzen. Aber ich denke schon, dass ein Film eine Diskussion anregen kann - und das war unser Ziel. Wichtig ist, dass man darüber spricht und sich damit beschäftigt. Das Problem einfach zu ignorieren, ist keine Lösung. So einfach von selbst wird das nicht weg gehen. Da muss man auf allen Ebenen dagegen arbeiten: In den Schulen, in den Kommunen, mit Verboten. Das wichtigste dabei ist aber, deren Motivation zu verstehen. (0258)


