Chef des Windsbacher Knabenchors ist rehabilitiert
Chef des Windsbacher Knabenchors ist rehabilitiert
Ermittlungen gegen Karl-Friedrich Beringer eingestellt
Der Leiter des Windsbacher Knabenchors, Karl-Friedrich Beringer, kann nach vier bitteren Monaten wieder aufatmen. Die Staatsanwalt Ansbach hat ihre Ermittlungen wegen des Verdachts der Misshandlung von jugendlichen Sängern gegen den 57-Jährigen eingestellt. Die Tatvorwürfe hätten sich nicht bestätigt, teilte der Nürnberger Justiz-Pressesprecher Bernhard Wankel am Dienstag mit. In einem ungewöhnlich aufwendigen Ermittlungsverfahren hatte die Staatsanwaltschaft seit Jahresbeginn mehr als 100 aktive und ehemalige Chorsänger vernommen, um die Anschuldigungen zu prüfen.
Die Ermittlungen wurden durch die Mutter eines Ex-Sängers ins Rollen gebracht. Sie beschuldigte Beringer, bei den Chorproben im Zorn körperliche und seelische Übergriffe auf die kleinen Sänger zu verüben. Dagegen stellte die Staatsanwaltschaft nun fest, Beringer habe die Sänger nur berührt, um Körperhaltung und Atemtechnik zu verbessern: "Das Tun des Chorleiters war ausnahmslos darauf gerichtet, die sängerische Leistung der Chorknaben zu fördern." Weder sei rohe Gesinnung erkennbar, noch habe das Wohlbefinden der Jungen stärker gelitten. "Misshandlung von Schutzbefohlenen kann ausgeschlossen werden", erklärte die Justiz.
Beringers Anwalt Wolfgang Kreuzer (München) erklärte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), er sei der Staatsanwaltschaft dankbar, dass sie so umfassend ermittelt habe. Um so überzeugender sei nun die Rehabilitierung des Chorleiters. "Es hat keine Quälereien oder Watschen gegeben", sagte er. Die angeblichen körperlichen Übergriffe hätten sich als Stimmstützen erwiesen. Beringer vollbringe täglich das Kunststück, ganz allein 120 Kinder und Jugendliche auf hohem künstlerischem Niveau zusammenzuhalten, während manche Lehrer schon an einer einzigen Schulklasse scheiterten. Ohne strenge Disziplin gehe da gar nichts. "Er ist ein Mann mit Ecken und Kanten und so einer eckt eben auch mal an", sagte der Anwalt.
Die Anzeige gegen den international bekannten Chorleiter und Kirchenmusikdirektor hatte großes Aufsehen erregt. Die Verantwortlichen des Knabenchors stellten sich uneingeschränkt hinter Beringer und sprachen von einem Vernichtungsfeldzug gegen einen bedeutenden Musiker. Fast 200 Ex-Sänger, Eltern, Sponsoren und Künstlerkollegen gaben öffentliche Solidaritätserklärungen für ihn ab. Beringer selbst, der in mehr als zwei Jahrzehnten in Windsbach das evangelische Elite-Ensemble zur Weltgeltung geführt hat, war von den Vorwürfen tief getroffen und ließ zeitweise sein Amt ruhen.


