Evangelischer Presseverband für Bayern e.V.

Michael Bammessel (Nürnberg), bayerischer Diakoniepräsident, und Matthias Jena (München), bayerischer DGB-Chef

Redaktionsgespräch - Oktober 2012

Gespräch: Helmut Frank

Bammessel und Jena
(Im Bild: DGB-Chef Matthias Jena, der bayerische Diakoniepräsident Michael Bammessel,
Diakoniesprecher Daniel Wagner und
efa-Redakteurin Elke Zimmermann. Foto: SOB/Vordermayer)

Haben Sie gemeinsame Ziele?

Jena: Dass sich die Diakonie sehr deutlich für den Mindestlohn ausspricht, haben wir erfreut zur Kenntnis genommen. Der Gedanke, dass man von einer Arbeit auch leben können muss, entspricht zutiefst unserem christlichen Menschenbild. Und wir profitieren von den Erfahrungen der Diakonie, weil deren Mitarbeiter aufgrund ihrer Arbeit mit armen Menschen wissen, was es bedeutet, von 360 Euro im Monat leben zu müssen.

Bammessel: Solidarität als Gegengewicht zu Machtstrukturen, das wird in der Diakonie wie in der Gewerkschaft als Grundhaltung gelebt. Uns verbindet außerdem das Ziel einer Gesellschaft, in der jeder gleiche Rechte hat und in der jeder gleich geachtet wird. Unsere sozialpolitischen Stellungnahmen fallen daher oft sehr ähnlich aus. Wir sind eigentlich gute Partner, deswegen beschwert es mich, dass in letzter Zeit das Konflikthafte im Vordergrund steht.

Was ist verwerflich am Dritten Weg?

Jena: Nicht alles. Was ich sehr respektiere und immer verteidigen würde, ist die Situation von Kirche und Diakonie als Tendenzbetrieb. Niemand verlangt von der CSU, dass sie jemanden mit SPD-Parteibuch einstellt. Klar ist auch, dass ein politischer Sekretär beim DGB Mitglied einer DGB-Gewerkschaft ist. Den Tendenzschutz will niemand kippen.

Und was wollen Sie am Dritten Weg ändern?

Jena: Der Begriff der Dienstgemeinschaft ist nicht zu Ende gedacht. Dienstgemeinschaft heißt theologisch verstanden eine Gleichheit aller. In den Arbeitsrechtlichen Kommissionen sitzen auf der Arbeitgeberseite jedoch gelernte Juristen und Finanzfachleute, auf der anderen Seite normale Arbeitnehmer, die dazu noch gegenüber ihrem Arbeitgeber weisungsgebunden sind. Da brauchen wir gleiche Kompetenzen und Ausstattungen, um auf Augenhöhe verhandeln zu können.

Bammessel: Der Dritte Weg basiert auf einer großartigen Idee. Hier gibt es nicht den Gegensatz zwischen Bossen, die an ihr Unternehmen denken und den Angestellten, die gegen Entgelt für sie schuften. Wir haben eine gemeinsame Aufgabe an den Menschen. Das ist die Idee, das passt auch zum Evangelium. Wenn nun selbst in der Wirtschaft alte Entgegensetzungen abgebaut werden, wollen wir in der Diakonie im Miteinander aller mindestens so gut sein. Geistlich gesehen hat die Dienstgemeinschaft ihren Kern im gemeinsam gefeierten Gottesdienst. Das ist das Zentrum.

Das Interview ist erschienen beim Sonntagsblatt: Kostenloses Probeabo