Evangelischer Presseverband für Bayern e.V.

Stefan Körner, Landesvorsitzender der Piratenpartei Bayern

Redaktionsgespräch - November 2012

Bayerischer Piraten-Chef kritisiert ungleiche Behandlung der Religionen

Interview: Helmut Frank und Christiane Ried

Stefan Körner
(Stefan Körner. Foto: SOB/Frank)

Der Chef der bayerischen Piratenpartei, Stefan Körner, kritisiert die ungleiche Behandlung von Religionen in Deutschland. Bei einem Redaktionsgespräch im EPV sprach er sich aus für eine gerechtere Behandlung der Religionen.

Die staatliche Finanzierung von kirchlichen Einrichtungen, die zum Teil auf jahrhundertealte Verträge zurückgeht, müsse auf den Prüfstand gestellt werden, sagte Körner. Wenn es nicht möglich sei, allen Religionen die gleichen Privilegien zukommen zu lassen, dann sollten die Privilegien eben für alle gestrichen werden. Von einer "Kirchensteuer" für alle Religionen hält der 44-jährige Oberpfälzer dagegen nichts. Denn den Piraten gehe es neben der Trennung von Staat und Kirche um so wenig staatlichen Eingriff wie möglich.

Körner stellte klar, dass die Piraten nicht darauf aus seien, die Religionen abzuschaffen oder Menschen ihren Glauben zu nehmen. Wenn Glaubensgemeinschaften sich für die Gesellschaft einsetzten, etwa in der Flüchtlingsarbeit, dann sollten sie auch weiter vom Staat finanzielle Unterstützung dafür bekommen. Die bisherige Verzahnung der christlichen Kirchen mit dem Staat sei aber insgesamt zu eng, sagte der bayerische Piraten-Chef.

Auch den Religionsunterricht brauche es nicht unbedingt, sagte Körner. Da es zu viele kleine Religionsgemeinschaften gebe, sei ein Religionsunterricht für alle nicht machbar: "Dann lieber gar keinen." Er glaube auch nicht, dass eine Mehrheit der Piraten davon überzeugt sei, "dass man Religion braucht, um ein positives Menschenbild zu formen". Das Schulfach Ethik sei dagegen wichtig, "weil es einen Wissenspool außerhalb von Mathematik und Physik gibt", sagte Körner.

Er selbst sei katholisch getauft und katholisch aufgewachsen, sagte Körner. "Das erste, was ich gemacht habe, als ich meine eigenen Entscheidungen treffen konnte, war, aus der Kirche auszutreten." Die Form, wie die Kirche ihm den Glauben vorgeschrieben habe, widerspreche allem, was er für richtig und sinnvoll hält. Die Institution Kirche könne den Menschen kein Gefühl mehr von Heimat vermitteln.

Das Interview ist erschienen beim Sonntagsblatt: Kostenloses Probeabo