Presseschau zu den geplanten Kürzungen für den Evangelischen Presseverband für Bayern e.V.
Die angekündigte Streichung der Mittel für den Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) hat in mehreren Medien Resonanz gefunden – mit unterschiedlichen Akzenten, aber ähnlicher Stoßrichtung.
Süddeutsche Zeitung: "Kahlschlag bei evangelischen Medien"
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet mit der Überschrift "Kahlschlag bei evangelischen Medien angekündigt". Autorin Annette Zoch berichtet von "Tränen" bei einer Mitarbeiterversammlung im Münchner "Campus Kommunikation" und spricht von einem "Schock" für die mehr als 50 Beschäftigten. Die Landeskirche streiche die jährlich 2,6 Millionen Euro "ersatzlos", ausgenommen sei lediglich der epd. Damit stehe die Zukunft der evangelischen Publizistik in Bayern "auf der Kippe".
Direktor Roland Gertz wird mit der Einschätzung zitiert, das Finanz-Aus sei "völlig überraschend" gekommen. Die Kürzungen seien unverhältnismäßig, da sie lediglich 0,28 Prozent des landeskirchlichen Haushalts beträfen. Auch der Hinweis, die Internetseite sonntagsblatt.de sei die erfolgreichste evangelische Webseite in Deutschland, findet Platz. Zugleich deutet die SZ das Vorgehen der Landeskirche als strategische Verschiebung: weg vom unabhängigen Journalismus, hin zu mehr Eigen-PR. Dass 15 bis 20 neue Vollzeitstellen im Landeskirchenamt entstehen sollen, während die publizistischen Einheiten ihre Finanzierung verlieren, wird als Kern des neuen Modells beschrieben.
Kritische Untertöne setzt die SZ auch bei der Kommunikation der Entscheidung. Die entsprechende Mitteilung sei am späten Freitagnachmittag kurz vor Redaktionsschluss und vor dem Faschingswochenende verschickt worden. Zudem verweist das Blatt auf die kirchenpolitische Konstellation: Die Entscheidung falle zwischen zwei Synodenperioden. Die neue Landessynode sei zwar gewählt, habe sich aber noch nicht konstituiert. Synodale Tanja Keller wird mit dem Hinweis zitiert, der Haushaltssouverän sei die Synode; man hoffe auf baldige Informationen "aus erster Hand".
Auch Stimmen aus der bundesweiten evangelischen Medienlandschaft greift die SZ auf. Stefanie Schardien vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) wird mit der Aussage wiedergegeben, Investitionen in Kommunikation seien zwar begrüßenswert, dürften aber nicht zulasten der Publizistik gehen – gerade in Zeiten, in denen über die Stärkung der Demokratie gesprochen werde. Pikant erscheine der Schritt vor dem Hintergrund einer jüngst gestarteten Demokratie-Kampagne.
Münchner Merkur: Kahlschlag bei evangelischen Medien
Kahlschlag bei Evangelischen Medien - Onlineartikel
epd medien: Bayerische Landeskirche richtet Kommunikation neu aus
München (epd). Die bayerische Landeskirche baut zulasten der evangelischen Publizistik die Kommunikation über ihre eigene Arbeit aus. Zu Jahresende würden die derzeitigen Zuwendungen an den Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) gestrichen, teilte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern am Freitag in München mit. Im EPV sind unter anderem die Wochenzeitung "Sonntagsblatt", das Portal "sonntagsblatt.de", der Buchverlag claudius und die Evangelische Funk-Agentur (efa) sowie das Evangelische Fernsehen (efs) angesiedelt.
Auch der Landesdienst Bayern des Evangelischen Pressedienstes (epd) gehörte bislang zum EPV, ist aber vom Streichen der Zuwendungen nicht unmittelbar betroffen. Er bleibe als unabhängige Nachrichtenagentur "wichtiger Bestandteil" kirchlicher Medienpräsenz, teilte die Landeskirche mit. Für ihn muss nun ein neuer Träger gefunden werden. Auch die Rundfunkarbeit in öffentlich-rechtlichen und privaten Medien soll fortgesetzt werden.
Laut Landeskirche werde in künftigen Gesprächen über "mögliche neue Formen der Zusammenarbeit" mit dem EPV entschieden. Der Presseverband hat aktuell rund 50 Beschäftigte. Er will sich am Montag zu der Entscheidung der Landeskirche äußern. Nach Informationen des epd bedeutet die Neuausrichtung auch für den vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Campus Kommunikation das Aus, der sich aus Beschäftigen des EPV und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche zusammensetzte.
Ziel der neuen Struktur ist es nach Angaben der bayerischen Kirche, "die kirchliche Kommunikation stärker an den Bedürfnissen von Mitgliedern, Mitarbeitenden und kirchlich Interessierten auszurichten und zugleich auf veränderte finanzielle und mediale Rahmenbedingungen zu reagieren". Rückläufige Mitgliederzahlen, sinkende Kirchensteuereinnahmen und ein dynamischer Medienwandel erforderten neue Schwerpunkte und Strukturen.
Link zum Artikel bei epd Medien
Bayerischer Rundfunk: "Kahlschlag": Landeskirche will bei Medienförderung sparen
Der Bayerischer Rundfunk berichtet über die Sparpläne und stellt die strukturelle Neuordnung in den Vordergrund. Die Autoren sind Simon Berninger und Markus Kaiser. Dort heißt es:
Die Evangelische Landeskirche in Bayern unterstützt einen kirchennahen Presseverband mit einem Millionenbetrag. Damit soll ab nächstem Jahr Schluss sein. Die Mitarbeiter fürchten um ihre Anstellung – und um die Zukunft von Kirche in den Medien.
Die Evangelische Landeskirche in Bayern (ELKB) will "auf veränderte finanzielle und mediale Rahmenbedingungen" reagieren, heißt es in einer Pressemitteilung von Ende vergangener Woche, und kündigt dem Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) eine bestehende Finanzierungszusage. Diese beläuft sich laut EPV-Direktor Roland Gertz auf 2,6 Millionen Euro im aktuellen Haushaltsplan der Landeskirche. Der umfasse insgesamt knapp eine Milliarde Euro.
"Also 0,28 Prozent von diesen knapp einer Milliarde – das sind die Summen, über die wir reden", so Gertz am Montag vor Journalisten. Während die Einsparungen im Verhältnis zum Gesamthaushalt marginal seien, bedeute die einseitig beschlossene Aufkündigung der Finanzierungszusage einen "Kahlschlag" für die Präsenz von Kirche in den Medien. Auf dem Spiel stehe nicht nur die Zukunft der rund 50 EPV-Mitarbeitenden, sondern auch "als Kirche in der breiten Fläche und in der Gesellschaft sichtbar und reichweitenstark zu bleiben", so der EPV in einer vorab verschickten Stellungnahme.
Vor allem mit der Wochenzeitung "Sonntagsblatt" entstehe unter dem Dach des EPV eine der drei reichweitenstärksten evangelischen Kirchenzeitungen in Deutschland, betont Chefredakteur Helmut Frank am Montag mit Blick auf die 8.500 Auflagen starke Kirchenzeitung und deren Online-Präsenz. "Wenn das natürlich wegfällt – ja, vielleicht macht's jemand anderes weiter, aber es ist schon ein wichtiger Baustein", sagt Frank.
Ob die geplanten Einsparungen das Aus für das "Sonntagsblatt" bedeuten, ließ die Landeskirche offen. Laut ihrer Pressemitteilung sollen "effizientere Strukturen" im Bereich Medien und Kommunikation geschaffen werden. Dem EPV gegenüber habe man von einer Stabstelle mit nurmehr zwölf bis 25 Vollzeitkräften gesprochen. "Und alle Menschen, die bisher bei der Landeskirche bereits beschäftigt sind, sollen in der Landeskirche weiter beschäftigt werden", weiß Gertz. Gemeint seien vor allem die Rundfunkbeauftragten der Kirche und die Mitarbeitenden in der Pressestelle. "Und dann wird's natürlich relativ eng, wenn das schon 15 Leute sind."
Zusicherungen gab die Landeskirche bislang für ihre kircheneigene Rundfunkarbeit in den öffentlich-rechtlichen und privaten Medien sowie dem Evangelischen Pressedienst "als unabhängige Nachrichtenagentur", hieß es. Das geplante Aus für die Zuwendungen an den EPV hängt final an der Abstimmung der Landessynode, dem bayerischen Kirchenparlament. Die Synode kommt im November zusammen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Harte Kürzungsdebatte über kirchliche Medienarbeit"
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ordnet die Vorgänge in einen größeren Kontext ein. Reinhard Bingener schreibt: Der Spardruck in der evangelischen Kirche trifft inzwischen auch wohlhabende Kirchen. Nun greift die bayerische Kirchenleitung rigoros im Medienbereich durch.
Im Kommentar schreibt Reinhard Bingener: Die Kirche wird von ihrem Reformdruck überrollt
Die geplanten Kürzungen in der evangelischen Kirche zeugen von einer neuen Härte. Der Spardruck ist zu groß geworden. Nachdem die Kirchen den absehbaren Reformdruck über Jahre von sich gewiesen haben, werden sie nun von ihrer eigenen Finanzkrise überrollt. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass eine Kirchenleitung Kürzungen in einem Arbeitsfeld ankündigt, ohne den betroffenen Beschäftigten zugleich eine Perspektive anzubieten, und sei es bloß ein Sozialplan.
Nun lässt sogar die vergleichsweise reiche evangelische Landeskirche in Bayern Mitarbeiter im Regen stehen. Die Landeskirche plant zudem, in ihrem Medienbereich die Trennung zwischen ihrer eigenen Öffentlichkeitsarbeit und der kirchenfinanzierten Publizistik noch weiter aufzuweichen, auf deren Unabhängigkeit man lange Wert legte.
Angesichts des immensen Spardrucks sind zwar auch in diesem Bereich Kürzungen unausweichlich. Aber ob die geplante Bevorzugung der eigenen Öffentlichkeitsarbeit der Königsweg ist, darf man angesichts der kirchlichen PR-Desaster in den vergangenen Jahren in Zweifel ziehen.
Kress: Kirche spart – Evangelischer Presseverband Bayern bangt um Zukunft und Arbeitsplätze
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern will Zuschüsse streichen. Beim Evangelischen Presseverband für Bayern (Foto: Roland Gertz) droht das Aus mehrerer Medienangebote. Der Evangelische Presseverband für Bayern (EPV) sieht seinen Fortbestand durch bevorstehende Mittelkürzungen massiv bedroht. Die von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) angekündigte Streichung von Zuschüssen für den Verband, "stellt uns vor eine ungewisse Zukunft", erklärte EPV-Direktor Roland Gertz am Montag.
Hintergrund ist eine am Freitag verkündete Entscheidung der ELKB. Demnach soll die Kommunikationsarbeit der Landeskirche neu ausgerichtet werden. In diesem Zusammenhang soll die bestehende Zuwendungsvereinbarung mit dem EPV zum Ende des laufenden Jahres gekündigt werden. Dadurch wolle die ELKB notwendige Einsparungen vorantreiben. Ihre Rundfunkarbeit in öffentlich-rechtlichen und privaten Medien wolle die Kirche aber fortsetzen. Auch der Landesdienst des Evangelischen Pressedienstes (epd), der unter dem Dach des EPV agiert, sei von den Kürzungen nicht betroffen.
Gertz kritisierte, dass die Entscheidung der Landeskirche dem EPV erst Ende Januar mitgeteilt worden sei, ohne, dass zuvor ein lösungsorientiertes Gespräch geführt werden konnte. Auch dem Verband sei bewusst, dass die Kirche sparen müsse. Die angekündigten Kürzungen für den EPV "sprengen aber jede Verhältnismäßigkeit", betonte Gertz. Dadurch stehe nun die Fortführung von medialen Diensten wie dem evangelischen Sonntagsblatt für Bayern sowie die berufliche Zukunft der rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Aus. "Das sind düstere Aussichten. Und deshalb wollen wir alles tun, damit es nicht zu diesem Worst-Case-Szenario kommt."
Die Zuschüsse für den EPV belaufen sich laut Gertz auf jährlich rund 2,6 Millionen Euro, was 0,28 Prozent des rund eine Milliarde Euro starken Haushalts der Landeskirche entspricht. Durch die angekündigte Mittelkürzung könnten bis zu 70 Prozent der Zuschüsse wegfallen. Der Haushalt werde final erst von der Landessynode im November besprochen. Bis dahin hoffe er auf weitere Gespräche mit der Landeskirche, um Lösungen für die Angebote und die Mitarbeitenden zu finden, so Gertz. "Wir wollen, dass möglichst viel weitergehen kann, auch unter den gegebenen Rahmenbedingungen."
Antenne Bayern: Kirche streicht Millionen-Zuschuss für Medienhaus
Sinkende Kirchensteuern zwingen zur Kürzung: Warum die Zukunft der evangelischen Wochenzeitung in Bayern auf der Kippe steht und welche Medien gesichert bleiben. Der ganze Beitrag ist hier zu lesen.
Stern: Kirche streicht Millionen-Zuschuss für Medienhaus
Turi2: BJV warnt vor Finanzierungsstopp des Evangelischen Presseverbands in Bayern durch die Kirche
Göttlicher Sparzwang: Der Bayerische Journalisten-Verband kritisiert den geplanten Rückzug der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern aus der Finanzierung des Evangelischen Presseverbands für Bayern. Der EPV sei ein "publizistischer Leuchtturm glaubwürdiger Medien" und gehöre zur "demokratischen Infrastruktur Bayerns", sagt BJV-Vorsitzender Harald Stocker. Soziale Netzwerke, "deren Algorithmen polarisierende Inhalte bevorzugen", ersetzten "keinen gesellschaftlich relevanten Journalismus mit christlichen Inhalten".