"Ich danke den Engeln von Jadwiga"
"Ich danke den Engeln von Jadwiga"
Beratungsstelle für Zwangsprostituierte feiert fünfjähriges Bestehen (Korrespondentenbericht)
Von Heinz Brockert (epd)
"Ich danke den Engeln von Jadwiga". Das schreibt die 22-jährige Bulgarin Rosa an die Mitarbeiter der Beratungsstelle für Opfer des Internationalen Frauenhandels in München, die ihr den Weg zurück aus der Zwangsprostitution in Deutschland in eine bürgerliche Existenz in ihrem Heimatland geebnet haben. Rosa gehörte zu der Gruppe ungezählter Frauen aus Osteuropa, die unter falschen Versprechungen in den Westen gelockt und mit Gewalt zur Prostitution gezwungen wurden. 284 von ihnen konnte "Jadwiga" helfen.
Die von zwei kirchlichen Frauenorganisationen getragene und von couragierten Frauen um die ehemalige Kirchentagspräsidentin Eleonore von Rotenhan (München) aufgebaute Modellberatung feiert das fünfjährige Bestehen. Das Diakonische Werk Deutschland in Stuttgart, das bayerische Sozialministerium, die Stadt München, Polizei und Staatsanwaltschaft unterstützen die Arbeit und schicken aufgegriffene Frauen in die Einrichtung - auch in der Hoffnung, dass einige vom ihnen in Gerichtsverfahren gegen Schlepper und Zuhälter aussagen.
"Jadwiga" unterstützt Hilfsorganisationen in den Herkunftsländern der Frauen, informiert Ausländerbehörden, Polizei und soziale Einrichtungen in Deutschland über den internationalen Frauenhandel und Zwangsprostitution und sammelt Spenden für diese wichtige Arbeit. Münchens 2. Bürgermeisterin Gertraud Burkert äußert die Hoffnung, dass "auch endlich männliche Unterstützung für dieses Frauenthema" kommt, schließlich seien es Männer, die diesen ausbeuterischen Markt anheizen.
Der Name "Jadwiga" (Hedwig) wurde nach einer polnischen Königin gewählt, die sehr jung zwangsverheiratet wurde und später Frauen in Not geholfen hat. Auf der Wunschliste der Mitarbeiterinnen steht die Einrichtung ähnlicher Beratungsstellen in allen Städten mit über 250.000 Einwohnern, der gezielte Einsatz von Polizisten für die Verhütung von Zwangsprostitution, Finanzierung eines "echten Rückkehrprogramms" und "eine Freier-Kampagne, durch die Männer sensibilisiert werden, sich nicht mit Frauen einzulassen, die mit Gewalt gezwungen werden, sexuelle Dienstleistungen zu erbringen".
"Wir werden die Prostitution nicht abschaffen können, aber es sollten wenigstens die verheerenden Auswüchse wie Zwang, Gewalt, Ausbeutung und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen so gut als möglich verhindert oder eingedämmt werden", sagt Rosemarie Daumüller vom Diakonischen Werk Deutschland (Stuttgart).


